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Lebenswelten 2025. Einstellungen und Werte von Jugendlichen in Österreich Autochthone Minderheiten, Mehrsprachigkeit und soziale Ungleichheit

| News

Für die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“ wurde eine repräsentative Stichprobe von über 15.000 Jugendlichen in ganz Österreich befragt. Die Studie zeichnet ein umfassendes Bild der 14- bis 18-Jährigen in Österreich, von ihrer Situation zu Hause, in der Schule und im Freundeskreis, von ihren Einstellungen, Werten und Herausforderungen. In Kärnten/Koroška, dem Burgenland/Gradišće/Őrvidék und Wien wurden die Jugendlichen (n=5.064) noch eigens zu den Themen Mehrsprachigkeit, autochthone Minderheiten/Volksgruppen, gesellschaftliche Vielfalt und Diskriminierung befragt. Verantwortlich für diese Teilstudie waren Daniel Wutti (PH Kärnten), Jasmin Mersits-Linzer (PPH Burgenland), Helga Grössing (PH Wien), Astrid Mairitsch (PH Kärnten) und Werner Hemsing (KPH Wien/Niederösterreich).

Autochthone Minderheiten/Volksgruppen

  • Mehr als ein Drittel der befragten Jugendlichen hörte im Rahmen der Jugendstudie zum ersten Mal von den sechs anerkannten autochthonen Minderheiten (auch Volksgruppen genannt) in Österreich.
  • Autochthone Minderheiten werden in den Lebenswelten vieler Jugendlicher kaum thematisiert.
  • Dabei ordneten sich 5 % der befragten Jugendlichen selbst einer der sechs autochthonen Minderheiten zu.

Autochthone Minderheitensprachen sind jene, die innerhalb der Familien der Befragten am stärksten verloren gingen. Der innerfamiliäre Sprachverlust ist bei diesen Sprachen besonders hoch. Dieser Befund ist insbesondere im Jahr 2026, anlässlich des 50. Jahrestages des Beschlusses des Volksgruppengesetzes, brisant.

Etwa ein Viertel der Befragten – 26 % – stimmt der Aussage „Ich finde, die Volksgruppen gehören zu Österreich“ (eher) nicht zu und ist somit offenbar nicht über die selbstverständliche Zugehörigkeit autochthoner Minderheiten in Österreich informiert. Dieses geringe Bewusstsein dürfte auch Folge jahrzehntelanger Sprachverdrängung und anhaltenden Assimilationsdrucks in Kärnten/Koroška und im Burgenland/Gradišće/Őrvidék sein, was die öffentliche Sichtbarkeit und die Identifikation mit Minderheitensprachen erheblich einschränkte. Dabei könnten mehr Sichtbarkeit und gesellschaftliche Präsenz der österreichischen Minderheitensprachen das Bewusstsein und die Wertschätzung für Mehrsprachigkeit und gesellschaftliche Vielfalt in Österreich insgesamt verbessern. Immerhin die Hälfte der Jugendlichen (50 %) findet, die autochthonen Minderheitensprachen sollten in Österreich präsenter sein. Bildungsinstitutionen und die Gesamtgesellschaft sind gefordert, autochthone Minderheiten und ihre Sprachen sowie die historisch gewachsene Mehrsprachigkeit und Vielfalt Österreichs sichtbarer und selbstverständlicher in den Bildungsalltag und den öffentlichen Diskurs zu integrieren.

Mehrsprachige Lebenswelten

Fast drei Viertel der befragten Jugendlichen geben an, ihr Umfeld sei mehrsprachig. Sieben von zehn der befragten Jugendlichen meinen, „Andere Sprachen bereichern mich und mein Umfeld“.

Wer mit Mehrsprachigkeit viel in Kontakt ist, zeigt sich davon tendenziell so angetan, dass er sich Mehrsprachigkeit auch für seine zukünftigen Kinder wünschen würde: 77 % der befragten Jugendlichen wünschen sich, dass ihre zukünftigen Kinder mehrsprachig aufwachsen. 70 % stimmen der Aussage „Andere Sprachen bereichern mich und mein Umfeld“ völlig oder eher zu.

Mehrsprachigkeit insgesamt als selbstverständlichen Teil der österreichischen Realität und als Mehrwert anzuerkennen, könnte das Potenzial haben, auch den gesellschaftlichen Umgang mit Migrations- und Diversitätsthemen zu erleichtern. Die Notwendigkeit, Mehrsprachigkeit im öffentlichen Raum und innerhalb von Institutionen sichtbarer zu machen, zwei- und mehrsprachige Bildungsangebote auszuweiten, die Bedeutung von Minderheitensprachen klar zu kommunizieren und dadurch langfristig gesamtgesellschaftlich Akzeptanz und Interesse zu stärken, ist ein zentrales Ergebnis dieser Studie. 

Soziale Ungleichheit

Rund 46 % der Jugendlichen nehmen ihre Schulkolleg:innen als „viel reicher oder viel ärmer“ wahr, 51 % berichten von deutlichen Unterschieden im Urlaubsverhalten und 38 % erkennen Unterschiede in der Wohnsituation. Jugendliche aus sozioökonomisch privilegierten Familien besuchen häufiger Schulen mit relativ homogener sozialer Zusammensetzung, während Jugendliche aus weniger privilegierten Milieus öfter in stärker durchmischten Klassen lernen.

Bildungsräume bringen Jugendliche oft in sozial einseitig zusammengesetzte Gruppen zusammen, was den milieuübergreifenden Austausch zwischen Jugendlichen einschränkt. Obwohl Schule ein zentraler Ort sozialer Begegnung sein könnte, sind Bildungsräume vielfach entlang sozialer Linien strukturiert, wodurch alltägliche Begegnungen zwischen unterschiedlichen Milieus begrenzt bleiben. Es braucht daher verstärkt Strukturen und Gelegenheiten im Schulsystem, die Begegnungen über Milieugrenzen hinweg ermöglichen, soziale Offenheit fördern und schulische Vielfalt gezielt stärken, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Jugendstudie „Lebenswelten 2025“