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Online-Tagung: Kinderschutz und digitale Fürsorgepflicht Smartphonefreie Schule? Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige?

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Am 11. März 2026 fand eine Online-Tagung zum Thema „Kinderschutz und digitale Fürsorgepflicht“ statt, die an die Herbsttagung zur Gewaltprävention und zum Kinderschutz im digitalen Raum des Zentrums für Gewalt- und Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung (ZGMP) anknüpfte. Ziel der Veranstaltung war es, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie praxisnahe Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit digitalen Medien bei Kindern und Jugendlichen zu beleuchten.

In ihrer Eröffnungsrede betonte Sabine Weisz, Rektorin der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland (PPH Burgenland), die gesellschaftliche Relevanz des Themas: Während Kinder in der analogen Welt häufig behütet aufwachsen, erfahren sie im digitalen Raum oft vergleichsweise wenig Schutz. Viele Erwachsene seien sich der Herausforderungen und Risiken, denen Kinder online begegnen, nicht ausreichend bewusst. Die PPH Burgenland sieht es als zentrale Aufgabe, Wissen zu bündeln und möglichst viele Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu sensibilisieren, um Kinder und Jugendliche auch im digitalen Raum besser zu schützen.

Florian Wallner, Leiter des ZGMP an der PPH Burgenland, unterstrich die Bedeutung digitaler Medien im Alltag junger Menschen. Gerade deshalb sei es notwendig, Kinder und Jugendliche verantwortungsvoll zu begleiten und vor möglichen Risiken zu schützen. Das ZGMP unterstützt Pädagog:innen dabei, Kinder zu empathischen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten zu begleiten.

Fachliche Impulse der Expert:innen

Lukas Teufl (Gesundheit Österreich GmbH) stellte dar, wie viele und welche Schüler:innen problematische Nutzungsformen sozialer Medien und/oder digitaler Spiele zeigen. Er beleuchtete Zusammenhänge mit gesundheitlichen Beschwerden und psychosozialen Problemen und diskutierte den aktuellen Stand der Forschung zu „Digital Detox“ und smartphonefreien Schulen.

Julia Dier, Psychoanalytikerin an der SFU Wien und Mitbegründerin des Vereins ERGON, betonte in ihrem Impulsvortrag, dass soziale Medien fester Bestandteil des Alltags sind und sowohl verbinden als auch unterhalten. Gleichzeitig könne ein suchtähnliches Nutzungsverhalten entstehen, beeinflusst durch Dauerverfügbarkeit, Belohnungsmechanismen und soziale Rückmeldungen. Der frühe Kontakt mit sexualisierten Inhalten über soziale Medien oder digitale Spiele könne diese Dynamiken zusätzlich verstärken.

Markus Meschik, Professor für Sozialpädagogik an der FH St. Pölten, erläuterte, wie Smartphones, soziale Medien und Videospiele den Alltag vieler Kinder prägen. Viele Apps und Spiele verleiten zu übermäßiger Bildschirmzeit. Er diskutierte präventive Maßnahmen gegen suchtähnliches Verhalten, Strategien zur Begrenzung hoher Geldausgaben in Spielen sowie Empfehlungen für die pädagogische Begleitung.

Ein praxisnahes Beispiel lieferte Fabian Scheck mit dem „Handy-Experiment“: Schüler:innen verzichteten 21 Tage auf ihr Smartphone und berichteten von positiven Effekten auf Konzentration, soziale Interaktion und ihren Alltag.

In ihren Abschlussworten betonte Andrea Fraundorfer (Bundesministerium für Bildung) die Bedeutung der Sensibilisierung im Bereich der reflektierten Mediennutzung und der digitalen Fürsorge auf allen Ebenen – bei Eltern, Pädagog:innen, Lehrpersonen und gesellschaftlichen Akteuren. Frühzeitige Elternbildung sei entscheidend für die gesunde Entwicklung von Kindern, da digitale Mediennutzung unter drei Jahren neurobiologische und psychosoziale Entwicklungen stören und spätere Suchtverhaltensweisen fördern können. Lehrpersonen benötigen gezielte Fort- und Weiterbildungen, um Kindern Medien- und Lebenskompetenz zu vermitteln. Kinder und Jugendliche brauchen vor allem analoge und authentische Erfahrungen innerhalb von Freundschaften, Naturerfahrungen, Sport und Hobbys, die sie abseits digitaler Medien machen. Zudem werden mittelfristig auch gesetzliche Regelungen notwendig sein, die Heranwachsende vor digitalen Gefahren schützen.

Die Tagung zeigte, dass digitale Teilhabe und Schutzbedürftigkeit kein Widerspruch sein müssen. Entscheidend sei, dass Erwachsene Kinder aufmerksam, informierend und beziehungsorientiert begleiten, um die digitale Fürsorgepflicht im Alltag umzusetzen.

Für die Moderation waren Nikola Hahn-Hoffmann und Dominik Weghaupt zuständig.