Tag des Judentums 2026 an der PPH Burgenland
Im Jahr 2000 hat der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich den 17. Jänner als besonderen Gedenktag eingeführt: den „Tag des Judentums“. Er soll die gemeinsamen Wurzeln von Christentum und Judentum ebenso thematisieren wie das vielfache Unrecht, das Menschen jüdischen Glaubens in der Vergangenheit zuteil wurde. An der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland wurde anlässlich des 27. Tages des Judentums am 15. Jänner ein Kurzsymposium abgehalten, das sich mit speziellen Aspekten der jüdischen Geschichte des Burgenlandes auseinandersetzte.
Zwei Vorträge bildeten den Mittelpunkt der Veranstaltung: Zunächst beschäftigte sich Ursula Mindler-Steiner, Historikerin und Professorin an der Universität Graz und der Andrássy Universität Budapest, mit der jüdischen Geschichte von Oberwart/Felsőőr. Diese war die jüngste Israelitische Kultusgemeinde des Burgenlandes: 1930 gegründet, wurde sie bereits 1938 wieder gewaltsam aufgelöst. Der Vortrag von Prof.in Mindler-Steiner gab zunächst einen profunden Überblick über jüdisches Leben in Oberwart/Felsőőr im 19. und 20. Jahrhundert, behandelte ausgewählte Biographien der jüdischen Gemeinde und nahm schließlich das abrupte Ende jüdischen Lebens in der Region in den Blick.
Im Anschluss beschäftigte sich Universitätsprofessor (i. R.) Wynfrid Kriegleder vom Institut für Germanistik der Universität Wien mit der literarischen Darstellung des Massakers von Rechnitz. In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 fand im burgenländischen Rechnitz ein bis heute nur teilweise aufgeklärtes „Endphaseverbrechen“ an 180 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern statt. Über dieses Verbrechen breitete sich jahrzehntelang bleiernes Schweigen. Die fiktionale Literatur erinnerte spät, aber doch, an die Morde. Prof. Kriegleder behandelte vor allem Eva Menasses Roman „Dunkelblum“ von 2021, ging aber auch auf andere Texte in diesem Kontext (von Gerald Szyszkowitz, Elfriede Jelinek und Peter Wagner) ein.
Zum Abschluss des Kurzsymposiums, das musikalisch von Ernst Ramsauer und Marlene Schindler von der PPH Burgenland eingerahmt wurde, konnte vom Vorsitzenden des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit Lukas Pallitsch das Resümee gezogen werden, dass es im Dialog zwischen Christen und Juden nicht nur um streng theologische Fragen gehe, sondern um das Bemühen, diese Gesellschaft besser zu gestalten. Vermutlich ist dies aktuell geforderter denn je.
„Als pädagogische Hochschule mit einem religionspädagogischen Schwerpunkt ist es uns ein großes Anliegen, unsere tiefe Verbundenheit mit dem Judentum zu betonen, das jüdische Leben zu würdigen und dem historischen Unrecht zu gedenken. Dies entspricht auch unserem Leitbild, das sich an einer christlich-humanistischen Wertetradition orientiert und die unverhandelbare Würde des Menschen in den Fokus stellt“, so Sabine Weisz, Rektorin der PPH Burgenland.
Die PPH Burgenland plant, auch im nächsten Jahr zum Tag des Judentums am 17. Jänner einen Beitrag zum Brückenbau zwischen den Religionen und einem besseren gegenseitigen Verstehen zu leisten.
Medienstimmen
Veranstaltung beleuchtete Aspekte jüdischer Geschichte_Kronen Zeitung_23.01.2026
Pädagogische Hochschule erinnerte an christlich-jüdische Wurzeln_BVZ_19.01.2026
Tag des Judentums_Kirchenzeitung Martinus Diözese Eisenstadt - Nr. 5 / 1. Februar 2026
Bildquelle: Private Pädagogische Hochschule Burgenland