Lehrkräfte stärken: Sommertagung 2025 des ZGMP widmet sich psychosozialer Gesundheit
Mit Klarheit und Sinn ins neue Schuljahr starten
Am 26. und 27. August 2025 trafen sich rund 60 Lehrkräfte und Pädagog:innen im Hotel Schneeberghof zur Sommertagung des Zentrums für Gewalt- und Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland. Unter dem Motto „Mit Klarheit und Sinn in das neue Schuljahr“ standen die psychosoziale Gesundheit von Lehrpersonen und die Förderung von Sinnorientierung und Klarheit im pädagogischen Handeln im Mittelpunkt.
Es zog sich ein roter Faden durch die beiden Tage: Vielen Fragen des Lebens können wir nicht allein mit dem Verstand begegnen. Es braucht hierfür auch ein offenes Herz und eine wohlwollende Begegnung mit sich selbst und anderen.
Die Tagung setzte auf die existenzielle Pädagogik, die auf vier Grundmotivationen baut: physische Sicherheit, psychische Erfüllung, personale Authentizität und das Streben nach Sinn. In Keynotes, Workshops und kreativen Formaten konnten die Teilnehmer:innen praxisnahe Strategien kennenlernen, um ihre eigene Stabilität zu stärken und Schüler:innen gezielt zu begleiten.
Den Auftakt machte Dominik Buchmeier, AHS-Lehrer, Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich im Zentrum für Persönlichkeitsbildung und Psychotherapeut (Existenzanalyse). In seiner Keynote „Die existentielle Haltung als Basis gesunden Lehrens und Lernens“ betonte er, wie Lehrkräfte in herausfordernden Zeiten handlungsfähig und resilient bleiben können. Er zeigte, dass Pädagog:innen im Umgang mit schwierigen Situationen doppelt gefordert sind – im Umgang mit den eigenen Emotionen und im professionellen Handeln – und es entscheidend ist, mit welcher Haltung Lehrende den Herausforderungen in der Schule begegnen.
In seinem Workshop „Mit der Angst in Umgang kommen – der Blick der existenziellen Pädagogik“ gab er praktische Tipps für einen professionellen Umgang mit der eigenen Überforderung bzw. mit überforderten Kindern und Jugendlichen.
Inge Patsch, Logotherapeutin, Autorin und Gründerin des Tiroler Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse, sprach in ihrer Keynote „Ich zuversichte“ über die Bedeutung von Zuversicht und Sinnorientierung. Sie zeigte, wie Lehrkräfte Orientierung geben und ihre eigene innere Stabilität bewahren können und betonte, dass Menschen keine Maschinen sind. Nicht alles, was man sich vorstelle und der Verstand planen kann, sei realistisch umsetzbar. Unserer Umsetzung seien immer Grenzen gesetzt, da Menschen keine Maschinen sind, die auf Knopfdruck funktionieren.
Der Workshop von Inge Patsch handelte „Vom Mut zur kreativen Lücke“. Sie betonte, dass Lehrende in der Schule Spielräume brauchen, in denen ihr Mut zur Kreativität wirksam werden kann. Die Teilnehmenden wurden angeregt, diese Spielräume im System gemeinsam zu entdecken.
Den dritten Vortrag hielt Thomas Happ, Diplom-Pädagoge, Dozent an der Pädagogischen Hochschule Tirol und Psychotherapeut (Existenzanalyse). In seiner Keynote „Wenn die Psyche Dynamik macht – Umgang mit herausfordernden Situationen“ gab er praxisnahe Tipps für den Umgang mit psychischen Belastungen im Schulalltag. Für den Umgang mit fordernden Situationen gab er den Teilnehmenden Werkzeuge für ein tieferes Verständnis und alternative Handlungsmöglichkeiten an die Hand. Er zeigte auf, dass manchmal selbst die einfühlsamsten Pädagog:innen an die Grenzen geraten – beispielsweise wenn sich Kinder und Jugendliche in ihrem Verhalten von einer unsichtbaren Kraft getrieben zeigen, scheinbar grundlos von ihren Affekten übermannt werden und in den „Überlebensmodus“ wechseln.
In seinem Workshop „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit – von der Erwartungs- zur Antworthaltung“ zeigte er Wege in eine Antworthaltung auf. Diese fordert Lehrende heraus, sich in ihrer pädagogischen Arbeit auf die Gegebenheiten einzulassen, Verantwortung zu übernehmen und ihr Leben aktiv zu gestalten, anstatt es passiv von äußeren Umständen abhängig zu machen.
Karl Sibelius, Bereichsleiter für Persönlichkeitsbildung an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz, Psychotherapeut (Existenzanalyse, Schwerpunkt Sexualtherapie), Schauspieler und Friedensforscher, wissenschaftlicher Leiter des Masterstudiums „Existenzielle Pädagogik und Psychosoziale Beratung“, Referent, Autor und Künstler, brachte den Teilnehmenden in seinem biografischen Liederabend die 4 Grundmotivationen der Existenzanalyse näher. Es ist ihm gelungen, existenzielle Pädagogik und Psychologie auf emotionaler Ebene erlebbar zu machen. Er eröffnete einen Zugang zu einem Menschenbild, das inspiriert und für die persönliche Weiterentwicklung und den Umgang mit anderen praxisrelevant ist. Die mit Musik und Gesang umrahmte Keynote „Ich bin, was ich bin – existenzielle Lebensthemen musikalisch erlebbar machen“ war ein Erlebnis, das Kopf und Herz gleichermaßen ansprach.
In seinem Workshop „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte – Die Kunst des narrativen Dialogs“ lud er dazu ein, die transformative Kraft von Geschichten zu erkennen. Die Teilnehmenden konnten erkunden, wie Geschichten als Medium für Sinnvermittlung, Beziehungsgestaltung und persönliche Entwicklung dienen können.
Die Rückmeldungen der Teilnehmer:innen verdeutlichten, wie wichtig psychosoziale Gesundheit und Sinnorientierung im Lehrberuf sind. Die PPH Burgenland und das Zentrum für Gewalt- und Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung danken allen Referent:innen und Gästen und blicken inspiriert auf das kommende Schuljahr.
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Bildquelle: Private Pädagogische Hochschule Burgenland