PPH Burgenland beim ÖFEB-Kongress 2026 in Innsbruck
Vier Forschende der PPH Burgenland stellten beim Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen aktuelle Projekte vor. Die Themen reichten von Bewegungsförderung über Künstliche Intelligenz bis zu Schulleitung und sprachlicher Diversität.
Von 30. September bis 2. Oktober 2026 fand an der Universität Innsbruck der ÖFEB-Kongress unter dem Titel „Bildung in Zeiten der Glokalisierung“ statt. Veranstaltet wurde er von der Universität Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Initiative „Bildungsinnovation braucht Bildungsforschung (B3)“. Die Private Pädagogische Hochschule Burgenland war mit Viktoria Berzsenyi-Schweitzer, Thomas Leitgeb, Jürgen Frentz und Jasmin Mersits-Linzer vertreten. Sie hielten Vorträge, leiteten Sessions und diskutierten Beiträge anderer Forschender.
Bewegung fördern: „gesund.bewegt.erfolgreich“
Viktoria Berzsenyi-Schweitzer und Thomas Leitgeb stellten das Forschungsprojekt „gesund.bewegt.erfolgreich“ vor. Es untersucht, wie systematische sportmotorische Diagnostik und evidenzbasierte Bewegungsförderung die gesundheitliche, kognitive und schulische Entwicklung burgenländischer Kinder unterstützen können. Die Studie läuft von 2024 bis 2029 und verbindet mehrere Zugänge. Sie nutzt standardisierte Motoriktests (Deutscher Motorik-Test 6–18, MOBAK 1–4), Fragebögen für Kinder und Eltern sowie Interviews mit Pädagog:innen. Dabei geht es unter anderem um Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Regionen. So entsteht ein landesweiter Datenpool. Er soll als Grundlage für die Gestaltung von Bewegungsangeboten, für die Aus- und Fortbildung von Pädagog:innen und für bildungspolitische Entscheidungen in diesem Bereich dienen.
Künstliche Intelligenz in der Lehrer:innenbildung
Thomas Leitgeb war Diskutant im Symposium „KI an Pädagogischen Hochschulen“. Dort wurden die ersten zwei Jahre eines Forschungsprojekts präsentiert, an dem vier Pädagogische Hochschulen beteiligt sind. In seinem eigenen Beitrag zeigte er, wie aus internationalen KI-Richtlinien gemeinsame Leitlinien für den Hochschulverbund entstehen. Diese Leitlinien legen Rollen und Zuständigkeiten fest. Sie enthalten Transparenzpflichten wie ein KI-Logbuch, Regeln zum Datenschutz und Vorgaben für Prüfungen und Abschlussarbeiten. Ein jährlicher Zyklus sorgt dafür, dass sie laufend überprüft und aktualisiert werden.
In einem weiteren Vortrag präsentierten Thomas Leitgeb und Michael Leitgeb eine Studie zu einem KI-Chatbot, der Lehrpersonen bei der Wahl passender Fortbildungen hilft. Ausgewertet wurden rund 2.000 Anfragen von etwa 1.100 Nutzer:innen. Der Chatbot beantwortete über 85 Prozent der Anfragen korrekt, und die Rückmeldungen waren überwiegend positiv. Je genauer Lehrpersonen ihre Anfrage formulierten, desto zufriedener waren sie mit der Antwort.
Schulleitung und Schulentwicklung
Jürgen Frentz leitete gemeinsam mit Stefan Brauckmann-Sajkiewicz (Universität Klagenfurt) ein Symposium zur Schulentwicklungsberatung. Die beiden stellten dort auch ein Scoping Review zur Rolle von Schulleitungen in externen Beratungsprozessen vor. Erste Ergebnisse zeigen, dass Schulleitungen dabei mehrere, teils widersprüchliche Rollen einnehmen. Sie bewegen sich etwa zwischen Unterstützung und Rechenschaftspflicht oder zwischen Autonomie und externer Steuerung.
Gemeinsam mit Thomas Leitgeb und internationalen Partnern präsentierte Jürgen Frentz außerdem eine Studie zur Führungsbereitschaft von Lehrkräften. Die Partner kamen von der Education University of Hong Kong und der Leuphana Universität Lüneburg. Befragt wurden 652 Lehrkräfte aus Deutschland. Das Ergebnis: Wer sich viel zutraut, also eine hohe Selbstwirksamkeit hat, sieht sich eher als Führungsperson und ist eher bereit, Führungsaufgaben zu übernehmen.
Sprachliche Diversität und Diskriminierung
Jasmin Mersits-Linzer stellte gemeinsam mit einer Kollegin der PH Wien Ergebnisse der österreichweiten Jugendstudie „Lebenswelten 2025“ vor. Befragt wurden mehr als 15.700 Jugendliche. Die meisten Jugendlichen stehen Diversität positiv gegenüber und sehen Mehrsprachigkeit als Bereicherung. Die Daten zeigen aber auch, dass mehrsprachige Jugendliche im Schulsystem weiterhin benachteiligt sind und viele ihre Familiensprache im Laufe der Generationen verlieren. Zudem wurde die Einstellung Jugendlicher zu autochthonen Minderheiten und deren Sprachen untersucht, wobei die Ergebnisse ein differenziertes Bild zeichnen. Diversitätssensible demokratische Bildung in der Schule kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.
Die Beiträge zeigen, wie breit die Forschung an der PPH Burgenland aufgestellt ist und wie gut sie national und international vernetzt ist.
Bildquelle: Private Pädagogische Hochschule Burgenland