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Ein Blick in das „Universum“ des Autismus – ein Vortrag der Triplex-Botschaft unter der Leitung von Manuel Koller

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Ein besonderer Höhepunkt der diesjährigen Aktionswoche „Inklusion und Mehrsprachigkeit“ an der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland war der Vortrag von Manuel Koller: „UNSER UNIVERSUM – Eine Reise durch die Welten des Autismus“. Er gewährte den Studierenden und Lehrenden einen tiefen, authentischen Einblick in autistische Lebensrealitäten und verband persönliche Erfahrungen mit fachlicher Reflexion.

Das Triplex-Persönlichkeitssystem
Zu Beginn überraschte Manuel Koller das Publikum mit einer ungewöhnlichen Aussage: „Es mag zwar nur eine Person vor euch stehen, aber diese eine Person beherbergt mehrere Persönlichkeiten.“ Er stellte sein Triplex-Universum vor – ein System aus drei Identitäten, die in einem Körper koexistieren: Die ursprüngliche autistische Persönlichkeit X1 ist hochintelligent, introvertiert und nonverbal; die zweite – „Manuel Koller“ – übernimmt die soziale Interaktion, während eine dritte Identität kreative und historische Interessen einbringt. Dieses Zusammenspiel ermöglicht Manuel Koller nicht nur den Alltag zu meistern, sondern dient seit 2022 auch als Triplex-Botschaft, um über autistische Lebensweisen aufzuklären.

Medizinische und gesellschaftliche Perspektiven auf Autismus
Manuel Koller thematisierte die gesellschaftliche und medizinische Wahrnehmung von Autismus und kritisierte die traditionelle, defizitorientierte Sichtweise, die Stärken autistischer Personen oft vernachlässigt. Er erläuterte verbreitete Diagnosen wie frühkindlichen Autismus oder Asperger-Syndrom und stellte gleichzeitig die Selbstwahrnehmung autistischer Menschen in den Vordergrund. Sein Appell: Autismus als individuelle Lebensweise statt als Krankheit zu verstehen.

Wahrnehmung, Sinnesverarbeitung und besondere Fähigkeiten
Manuel Koller verdeutlichte, wie intensiv sensorische Reize – etwa Geräusche, Licht oder Gerüche – auf autistische Menschen wirken. Er räumte mit Vorurteilen auf: Autismus bedeute weder emotionale Kälte noch fehlende Empathie. Viele autistische Menschen zeichnen sich vielmehr durch Empathie, Loyalität und Verantwortungsbewusstsein aus. Verhalten, das als egoistisch wirkt, ist oft ein Selbstschutz in einer überwältigenden Welt. Autistische Personen bringen besondere Stärken mit, darunter hohe Konzentration, Detailorientierung, analytisches Denken und außergewöhnliche Talente. Werden diese gefördert, können sie herausragende Leistungen erbringen.

Alltag und schulische Unterstützung
Ein zentrales Thema war, wie Lehrkräfte autistische Schüler:innen optimal unterstützen können. Manuel Koller betonte die Bedeutung positiver Erfahrungen in Kindheit und Schulzeit: Zwang zur Interaktion kann psychischen Schaden verursachen. Praxisnahe Strategien umfassen respektvolle Begegnungen auf Augenhöhe, klare und direkte Kommunikation, Vermeidung von Mehrdeutigkeit und Sarkasmus, frühzeitige Information über Veränderungen sowie strukturierte Vorbereitung bei Ausflügen und Projekten.

Er unterstrich, dass Meltdowns (emotionale und verbale Ausbrüche durch Reizüberflutung) niemals als Fehlverhalten interpretiert werden dürfen, sondern Verständnis, Ruhe und eine stabile Vertrauensbasis erfordern. Darüber hinaus sensibilisierte Manuel Koller für die Bedeutung einer unterstützenden Klassengemeinschaft und wies auf regionale Anlaufstellen wie den Verein Autismus Burgenland oder Martins Vermächtnis hin, die Bildungseinrichtungen praxisorientierte Unterstützung bieten.

Persönliche Kontaktaufnahme für Beratungen oder Vorträge ist per E-Mail ebenfalls möglich: triplex-botschaft(at)mailfence.com

Bildquelle: Private Pädagogische Hochschule Burgenland

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