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Religionen, Frieden und Schule – Einblicke in IRTB-Symposion der PPH Burgenland

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Wie gelingt Frieden in einer pluralen Gesellschaft – und welche Rolle spielen Religionen und Schulen dabei?

Zur Erörterung dieser Leitfrage lud das Institut für Religionspädagogik und transformative Bildung (IRTB) der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland (PPH Burgenland) am 27. und 28. August 2025 zu einem Symposium nach Neutal ein. Unter dem Motto „grenzen I los I tolerant – Religionen und Frieden?“ kamen Expert:innen aus Judentum, Christentum und Islam mit Pädagog:innen ins Gespräch. Neben einer hochkarätigen Podiumsdiskussion bot das Symposium praxisnahe Workshops sowie die Präsentation des „Liederbuchs der burgenländischen Vielfalt“.

Ein weiterer Höhepunkt war der feierliche Gottesdienst mit Michael Wüger, musikalisch gestaltet vom Chor „mehr:stimmig“. Dabei erhielten die neuen Religionslehrer:innen die Missio canonica, während pensionierte Kolleginnen feierlich geehrt wurden. Harald Mandl, langjähriger Institutsleiter, wurde in den Ruhestand verabschiedet und für sein Wirken mit dem Martinsorden in Gold ausgezeichnet. Rektorat, Hochschulrat und Schulamt würdigten seine Verdienste, Bundesminister Christoph Wiederkehr übermittelte Dank und Anerkennung des BMB.

Podiumsdiskussion

Zum Auftakt des inhaltlichen Austauschs diskutierten unter der Moderation von Maria Harmer (ORF, Religion und Ethik) Regina Polak (Universitätsprofessorin für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog, Wien), Landesrabbiner Schlomo Hofmeister und Imam Ramazan Demir, wie Frieden in einer pluralen Gesellschaft gelingen kann und welche Rolle Religionen und Schulen dabei spielen.

Rektorin Sabine Weisz stellte gleich zu Beginn des Symposiums die pädagogische Dimension in den Mittelpunkt: „Jeden Tag haben wir in der Schule die Möglichkeit, einen Beitrag für den Frieden zu leisten. Denn nichts ist so lebendig wie eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die wir mit unserem Erziehungs- und Bildungsauftrag begleiten. Dabei bieten sich Gelegenheiten, Impulse zu geben, zum Nachdenken anzuregen und miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Auch Doris Ziniel, Leiterin des IRTB, betonte: Frieden beginne im Kleinen – in der Familie, in der Schule, im Klassenzimmer, in Begegnungen –, verlange aber zugleich Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität.

Demokratie, Religionen und Herausforderungen

Regina Polak, Universitätsprofessorin für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog, machte in ihrem Impulsvortrag deutlich: Eine liberale, rechtsstaats- und menschenrechtsbasierte Demokratie sichere Minderheitenrechte und ermögliche politischen Frieden – doch dieses Modell sei weltweit unter Druck.

Religionen könnten wichtige Ressourcen zur Friedensförderung sein, zugleich aber auch Spannungen erzeugen. „Religiosität stärkt Vertrauen in Institutionen, kann aber autoritäre Tendenzen befördern. Für Österreich ergibt sich ein gemischtes Bild: Religiöse Zugehörigkeit nimmt ab, dennoch bleiben Religionsgemeinschaften wichtige Formen der Vergemeinschaftung. Breite Zustimmung besteht zur religiösen Pluralität, zugleich nehmen antisemitische und antimuslimische Ressentiments zu – ebenso autoritäre Strömungen innerhalb der Religionen selbst sowie gesellschaftliche Vorurteile, die sowohl Juden als auch Muslim:innen betreffen.“

Polak betonte: „Religionen können wichtige Beiträge für gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten – vorausgesetzt, sie üben Selbstkritik, stellen sich Fragen nach Macht, Geschlechtergerechtigkeit und dem Umgang mit Minderheiten.“ Der interreligiöse Dialog in Österreich gilt international als vorbildlich, sollte aber noch stärker in die Breite der Gesellschaft getragen werden.

Aus jüdischer Perspektive hob Landesrabbiner Schlomo Hofmeister die aktive Dimension von Frieden hervor: „Schalom (Frieden auf Hebräisch) ist weit mehr als die Abwesenheit von Konflikten. Es ist ein Zustand der Ganzheit, der geschaffen und gepflegt werden muss – nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Alltag, in der Familie, in der Nachbarschaft.“

Imam Ramazan Demir unterstrich die Friedensorientierung des Islam, verwies jedoch auch auf Herausforderungen: „‚As-salamu alaykum‘ – Friede sei mit dir – ist unsere tägliche Begrüßung. Aber Radikalisierung junger Menschen, vor allem über Social Media, bleibt eine Gefahr. Ich versuche Jugendlichen zu zeigen: Islam und Demokratie sind vereinbar, wenn Freiheit und Menschenrechte geachtet werden. Frieden beginnt immer in der eigenen Gemeinschaft.“ Gleichzeitig setzt er eigene Videos ein, um der Hasspropaganda auf TikTok entgegenzuwirken.

Schule als „Lebensraum, in dem Demokratie geübt wird“

Besonderes Gewicht erhielt die Schule als „Lebensraum, in dem Demokratie geübt wird“. Hier sollten Kinder und Jugendliche nicht nur Wissen erwerben, sondern auch lernen, Unterschiede auszuhandeln, Mitbestimmung zu erleben und Dialog zu praktizieren, so Polak.

Hofmeister und Demir berichteten von ihren gemeinsamen Besuchen in Schulklassen, die bei Jugendlichen nachhaltigen Eindruck hinterlassen: „Wir zeigen, dass Freundschaft und Dialog zwischen einem Rabbiner und einem Imam möglich sind – oft überzeugender als jedes Argument.“

Konfliktfelder und Herausforderungen

Die Debatten griffen auch aktuelle Konfliktfelder auf: Alltagsrassismus, die Gefahr der politischen Instrumentalisierung von Religion und die Rolle sozialer Medien bei Radikalisierung.

Hofmeister warnte vor antisemitischen Stereotypen: „Kritik an der israelischen Regierung oder ihrer Politik ist legitim, aber wenn Jüdinnen und Juden, oder das Judentum als Religion dafür verantwortlich gemacht oder angefeindet werden, dann ist das Antisemitismus.“ Demir schilderte Diskriminierungserfahrungen muslimischer Jugendlicher: „Viele erleben Ausgrenzung, oft genügt ein Kopftuch oder ein Bart.“ Beide forderten differenzierte Aufklärung und mehr Mut zum Dialog.

Das Symposium endete mit einem klaren Befund: Frieden ist möglich – aber er verlangt Mut, Offenheit und die Bereitschaft, immer wieder neu aufeinander zuzugehen. Schulen sind dabei Schlüsselinstitutionen: Orte, an denen Demokratie, Respekt und Zusammenleben täglich geübt werden können.

Hintergrund zu den Gästen der Podiumsdiskussion

  • Regina Polak: Universitätsprofessorin für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog am Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien.

  • Schlomo Hofmeister: Landesrabbiner von Burgenland, Niederösterreich und Wien, Oberrabbiner von Steiermark, Tirol und Vorarlberg, sowie des österreichischen Bundesheeres und Vorstandsmitglied der Europäischen Rabbinerkonferenz.

  • Ramazan Demir: Imam und Religionspädagoge, lehrt an der KPH Wien/Niederösterreich, engagiert sich seit Jahren in Schulen; ehemaliger Gefängnisseelsorger, spezialisiert auf Prävention von Radikalisierung.

Die drei Religionsvertreter:innen wurden von der Stadt Wien als „Botschafter:innen des sozialen Zusammenhalts“ ausgezeichnet.

Mehr zur Ehrung von Harald Mandl anlässlich seiner Pensionierung.

Bildquelle: Private Pädagogische Hochschule Burgenland

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